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Farbe für die Republik

Fotoreportagen aus dem Alltagsleben der DDR

Erstmals werden Farbfotografien der beiden DDR-Bildjournalisten Martin Schmidt und Kurt Schwarzer aus dem Bestand des Deutschen Historischen Museums der Öffentlichkeit präsentiert. Ihr fotografisches Werk beeindruckt durch Qualität und Vielfalt: Es umfasst ein breites Themenspektrum aus vier Jahrzehnten DDR. Unter den jeweils etwa 50 000 Negativen befinden sich auch zahlreiche Farbaufnahmen, von denen mehr als 300 Fotografien für diesen Bildband ausgewählt wurden.

Martin Schmidt und Kurt Schwarzer gehörten als freischaffende Bildjournalisten zu einer seltenen Berufsgruppe in der DDR: Ihre Reportagen entstanden im Auftrag verschiedener Zeitschriften, darunter auch Magazine der DDR-Auslandspropaganda. Werbefotos für VEBs, Produkte, Messen und Kochbücher belegen die Vielfalt ihres Schaffens. Mit der Kamera besuchten sie Betriebe und LPGs, Kindergärten und Altenheime, berichteten vom Leben der Frauen in der DDR und dokumentierten neben anderen Großstädten auch das moderne Berlin. Ihrem Auftrag folgend, zeigten sie Facetten eines erfüllten Arbeits- und Lebensalltags im Sozialismus.

»Dieser Bildband zeigt auf vielfältige und einsichtsvolle Art die Inszenierung des Alltags in der DDR.« Roland Jahn, Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen

 

Das Buch ist bei Bastei Lübbe erschienen.

Weitere Infos von Artefakt Berlin:

Das Rahmenprogramm zur Fotoausstellung „Farbe für die Republik“ im Deutschen Historischen Museum bietet mit einer spannend besetzten Podiumsdiskussion sowie mit drei Vorträgen unter dem Titel „Geschichte am Mittwoch“ erweiterte Sichtweisen auf das Thema Auftrags- und Pressefotografie in der DDR. Der Eintritt zu den Sonderveranstaltungen ist frei.

Podiumsdiskussion: 7. April 2014, 19 Uhr
„Auftrag: Bild. Grenzen und Möglichkeiten offizieller Fotografie in der DDR“

Mit Prof. Dr. Bernd Lindner (Zeitgeschichtliches Forum Leipzig), Eberhard Klöppel (Fotograf und ehemaliger Bildreporter der „Neuen Berliner Illustrierten“, Berlin), Dr. Doreen Mende (Kuratorin, Berlin), Prof. Dr. Monica Rüthers (Professorin für Europäische Geschichte mit Schwerpunkt Osteuropa, Universität Hamburg)
Moderation: Stefanie Dörre (tip Berlin)
Zeughauskino, Eintritt frei

Die offizielle journalistische Bildproduktion in der DDR unterlag strengen ideologischen Vorgaben der SED. Von jedem schreibenden oder fotografierenden Journalisten wurde „Parteilichkeit“ verlangt. Kein Artikel, keine Bildreportage kam ohne den viel beschworenen „festen gesellschaftlichen Standpunkt“ aus. Bildreporter und Fotografen sollten sich als „Funktionäre der Partei“ verstehen. Sie hatten die „Schere im Kopf“ und wussten, was ihre Auftraggeber erwarteten. Doch gab es Gestaltungsmöglichkeiten und künstlerische Freiheiten innerhalb dieses Systems? Und wenn ja, wie wurden sie genutzt?

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Vortrag – „Geschichte am Mittwoch“: 9. April 2014, 18 Uhr
„Bilder neuen Typs. Über die Erwartungen an die sozialistische Pressefotografie in den 60er Jahren“

Mit Stefan Ulfert (Freie Universität Berlin)
Auditorium, Eintritt frei

Nachdem das Medium Pressefotografie in den Jahren nach der Gründung der DDR nicht sonderlich viel Beachtung fand, verstärkte sich Ende der Fünfziger Jahre die Auseinandersetzung um die fotojournalistische Qualität. Diese entwickelte sich zunächst aus dem Inneren des Medienbetriebes heraus, wurde jedoch nach neuen politischen Direktiven in den folgenden Jahren wesentlich intensiver geführt. Zu keinem anderen Zeitpunkt in der Mediengeschichte der DDR ist sich in derartiger Tiefe und Breite mit dem Medium Pressefoto beschäftigt worden. Insbesondere die staatliche Bildagentur ADN-Zentralbild stand im Mittelpunkt der Diskussionen. Der Vortrag skizziert die wichtigsten Punkte der Debatte.

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Vortrag – „Geschichte am Mittwoch“: 23. April 2014, 18 Uhr
„Die Echtfotopostkarten der DDR zwischen Zensur und Dokument“

Mit Erasmus Schröter (Fotograf, Leipzig)
Auditorium, Eintritt frei

Der Leipziger Erasmus Schröter wuchs in der DDR auf und erhielt während seines Studiums an der dortigen Hochschule für Grafik und Buchkunst seine Ausbildung zum Fotografen. Seitdem ist er in der internationalen Fotokunstszene aktiv. Mit den Augen eines Fotografen sammelte er in den letzten Jahrzehnten intensiv auf Flohmärkten die Echt-Foto-Postkarten der DDR. Der Schwerpunkt seiner Sammlung, die inzwischen auf mehrere Tausend Postkarten angewachsen ist, liegt auf allen kulturellen Äußerungen der DDR-Moderne. So gibt es Karten von sozialistischer Neubauarchitektur, staatlichen Ferienheimen, Pionierlagern für die Jugend und von sozialistischen Denkmälern. Andere Postkarten vermitteln interessante Einblicke in das Innere der Gebäude. Sie zeigen die Inneneinrichtung sowie die Bildkunstwerke der sozialistischen Ära. Die Mehrzahl der Relikte sozialistischen Bauens und politischer Denkmäler ist inzwischen abgerissen und verschwunden. Allein die Postkarte zeigt uns noch die vergeblichen Fortschritts- und Siegesillusionen des Sozialismus der DDR. Damit erfüllen diese kleinen Fotopostkarten in unserer Zeit eine wichtige Funktion als fotografisches Dokument. Der Vortrag führt auf unterhaltsame Weise in die damals offiziell erwünschte Bildwelt der DDR. Er beleuchtet an Hand vieler Beispiele, wie die Fotopostkarte im Spannungsfeld von Zensur und fotografischem Dokument ihre spezifische, heute oft seltsam fern anmutende Ästhetik entwickelte.

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Vortrag – „Geschichte am Mittwoch“: 14. Mai 2014, 18 Uhr
Reporter mit der Kamera. Illustrierten-Fotografie in der DDR zwischen Bild und Ideologie

Mit Prof. Dr. Bernd Lindner, Zeitgeschichtliches Forum Leipzig
Auditorium, Eintritt frei

Die Pressefotografie in der SBZ und DDR hat nicht nur propagandistische Bilder hervorgebracht. Gerade in den Nachkriegsjahren prägten die Fotografen mit realistischen Bildreportagen aus Gesellschaft und Alltag nachhaltig das Gesicht der Illustrierten. Texte waren eher marginal. In den 1950er und 1960er Jahren drehte sich das Verhältnis dann um. Die Fotografen sollten lediglich nur noch die im Text bejubelten „Erfolge beim Aufbau des Sozialismus“ bebildern. Erst nach 1970 konnte sich die Fotografie dann – Schritt für Schritt – ihren angestammten Platz in den illustrierten Wochenblättern der DDR zurückerobern. Selbstbestimmt war sie jedoch nie. Der Vortrag dokumentiert diese Entwicklung anhand zahlreicher Beispiele aus der NBI. Die beliebte „Neue Berliner Illustrierten“ erschien von 1945 bis 1991 wöchentlich in einer Auflage von bis zu 726.000 Exemplaren.

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AUSSTELLUNG
Farbe für die Republik. Auftragsfotografie vom Leben in der DDR
21.03. – 31.08.2014, Täglich 10 – 18 Uhr
Deutsches Historisches Museum
Unter den Linden 2, 10117 Berlin
http://www.dhm.de/ausstellungen/farbe-fuer-die-republik.html

 

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