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Street Photography: Die 100 besten Bilder, David Gibson bei Prestel

„Unter den Begriff Straßenfotografie fällt jedes Bild mit oder ohne Personen, das ohne Inszenierung im öffentlichen Raum gemacht wurde“. So definiert David Gibson Streetfotografie und will in seinem Buch „Straßenfotos der sog. Internetgeneration“ vorstellen. Das bedeutet Fotos, die im Internet erschienen sind und einige, die schon vor dem Internet zu sehen waren. In dem Buch weist Gibson mehrfach auf Henri Cartier-Bresson hin, der auch heute noch eine Rolle spielt, mental und real. Er schwingt bei vielen mit, die Streetphotography betreiben, aber nicht nur er. Insofern ist die im Buch aufgeführte Liste der immer wieder genannten Namen sehr interessant. Das Buch ist bei Prestel erschienen und schon von der Gestaltung her eine Augenweide. Gut gebunden, stabiler Einband, angemessen großes Format und klare Gestaltung. „Für mich ist das Betrachten eines Fotobuch ein Vergnügen, es ist die weitaus schönste Art, Fotos zu genießen“, schreibt Gibson. Und so „erlöst“ er hier einige Fotos aus ihrem „Bildschirmdasein“ und läßt sie gedruckt fortbestehen. Sehr schön! Wer Streetfotografie heute machen will, der findet hier sehr viel an Inspiration. Es sind auch große …

Color Correction von Ernst Haas by Steidl

Ernst Haas war ein berühmter Fotograf. Er starb 1986. Und er kann uns heute noch viel sagen, wenn es um das ungestellte Komponieren beim Fotografieren geht. Ernst Haas fotografierte sehr viel in Farbe. Und er komponierte seine Fotos einfach mit dem, was er sah und durch die Wahl des Bildausschnittes zusammenfügte. Licht und Schatten, Gegenstände und Details. Wer das Buch aus dem Steidl-Verlag aufschlägt, der merkt, wie alles aus der eigenen Umgebung in der richtigen Kombination eine Art Malerei mit Licht werden kann. Haas hat selbst Vorhänge mit in die Komposition eines Fotos einbezogen. Aber er malte immer mit Licht und Schatten. So entstanden viele Fotos, die wie gemalt wirken aber rein durch die Wahl des Bildausschnittes so komponiert wurden einfach mit dem, was da war. Ernst Haas fotografierte viel für Magazine und manchmal für sich selbst. Und diese Fotos für sich selbst sind in dem wunderbaren Buch nun zu sehen. Es gibt sogar eine Webseite über Ernst Haas, die einen Eindruck von dem verschafft, wie er die Welt fotografisch darstellte. Das Buch im Steidl-Verlag …

Fotografieren für Blogger von Katharina Dielenhein

Jede Generation entdeckt die Zivilisation und die Technik neu. Und Katharina Dielenhein hat ein Buch für die geschrieben, die bloggen wollen mit guten Fotos. Dabei ist ein Buch entstanden, das viele Anregungen enthält, weil es andere Blogger integriert, viele Beispiele aus der Praxis des Bloggens liefert und die Dinge so darstellt, wie sie real sind. Das gefällt mir. In ihrem Buch kommt das Smartphone eigentlich gar nicht vor. Sie fragt sich vielmehr, wie richtig gute Fotos entstehen können und zeigt dies dann mit echten Kameras und verschiedenen Objektiven. Man neigt ja als Mensch über 50 mit viel Erfahrung dazu, solche Bücher eher zu übersehen. Ich finde aber, daß es sich lohnt genau hinzuschauen, weil hier eine jüngere Frau im „Kollektiv“ mit anderen Frauen die Praxis der Fotografie für Blogs jeder Art mit Kameras aus der Praxis für die Praxis darstellt. Wer bisher ein Smartphone nutzte, der hat hier ein gutes Buch, um fotografisch besser zu werden. Wer schon viele Jahre Kameras nutzt, der ist vielleicht nicht derjenige, für den das Buch gemacht ist. Aber das …

Geschichte ohne Epochen? – von Jacques Le Goff

„Die Historiker dürfen nämlich auf gar keinen Fall, wie das bislang zu oft geschehen ist, die Idee der Globalisierung mit Gleichmacherei verwechseln. Bei der Globalisierung gibt es zwei Etappen. Die erste besteht in der Kommunikation: Zwischen Regionen und Zivilisationen, die vorher nichts miteinander zu tun hatten, werden Kontakte geknüpft. Die zweite ist ein Phänomen der Absorption, der Verschmelzung. Bis heute hat die Menschheit lediglich die erste Etappe erlebt.“ So endet das Buch des erfahrenen Historikers Jacques Le Goff. Es endet mitten in der Gegenwart. Und genau darum geht es.

Disziplin! Überleben im Überfluss von Marli Huijer

Marli Huijer schreibt gut und hat viel Gutes geschrieben. In ihrem Buch über Disziplin versucht sie einen großen Wurf – und der gelingt. Ein großer Wurf zeichnet sich durch große und klare Linien aus. Ich finde es bemerkenswert gut wie souverän sie uns zeigt, was früher unter Disziplin verstanden wurde und wie sich das verändert hat. Sie geht als Niederländerin anders mit dem deutschen Blick um und zeigt, warum die deutsche Art der Disziplin mit Strafe und Kadavergehorsam selten sinnvoll ist und vor allem nach den Erfahrungen des 2. Weltkriegs im Alltag und in der Arbeit seine Berechtigung verloren hat (außer z.T. wenn es um Leben und Tod geht). Sie unterteilt nach persönlicher, institutioneller und internalisierter Disziplin und erzählt dann, wann in den Niederlanden was warum dominierte und warum was abgelöst wurde. Foucault, Elias, Sloterdijk und Arendt begleiten sie durch das gesamte Buch und es macht wirklich Freude ihren Gedanken zu folgen. Das Buch setzt eine gewisse Lesedisziplin voraus, weil jedes Kapitel aus inhaltsvollen Sätzen besteht, die alle sinnerfassend gelesen werden wollen. Man muß nicht …

American Realities von Joakim Eskildsen und Natasha Del Toro

Der Direktor des Time Magazine beauftragte Joakim Eskildsen, die wachsende Krise in den USA zu fotografieren. An insgesamt 36 Tagen in sieben Monaten fotografierte Eskildsen dort, wo nach den Statistiken die Armut am höchsten in den USA ist. So entstanden Fotos, die die Armut fokussiert darstellen sollen oder wie Barbara Kiviat im Nachwort schreibt „These Vignettes reflect a broader reality.“

Haiku fotografieren von Martin Timm

Kann man mit einer Kamera dichten? Eigentlich nicht, wenn es um Texte geht. Aber weil Texte Klang erzeugen und dieser in die Seele geht über die Ohren so wie Bilder und Eindrücke über die Augen – genau deshalb kann man dann doch irgendwie dichten. Haiku und WabiSabi sind die Schlüsselwörter in dem Buch von Martin Timm. „Ein neuer Ansatz für die Naturfotografie“ ist der Unertitel dieses sehr schön gemachten Buches. Loslassen und zulassen waren die Worte, die mir beim Anschauen und Lesen dieses Buch einfielen. Es ist ein Buch voller Freiheit, weil es darum geht sich von den Zwängen zu lösen, die die Fotografie als Abbild erfordert. Der Weg ist das Ziel, der Umgang mit sich, und die dabei entstehenden Fotografien sind Ausdruck des Nicht-Sichtbaren dabei. Das wird dann in den Fotografien sichtbar. „Stattdessen fotografiere ich, indem ich hier und jetzt mit der Kamera nur auf das reagiere, was sich spontan ergibt. Bilder, Sequenzen, alles entwickelt sich fast von selbst, etwas so wie ein spontaner Plausch mit einer fremden Person, die mir zufällig begegnet. Ein …

Magnum Legacy: Bruce Davidson von Vicki Goldberg

Magnum Legacy heißt die Buchreihe mit Biografien über Fotografinnen und Fotografen der Fotoagentur Magnum. Und die Publizistin Vicki Goldberg hat hier den Fotografen Bruce Davidson porträtiert. Es ist ein schönes Buch geworden. Wie schreibt man über einen lebenden Fotografen, der Familie und Freunde hat und zugleich viele Jahre Themen aus der sozialen Realität fotografierte?

Auf Wasser wandeln – Christo und Jeanne-Claudes Floating Piers auf dem Iseosee

Vom 18. Juni bis 3. Juli 2016 werden 100 Kilometer östlich von Mailand und 200 Kilometer westlich von Venedig Tausende von Menschen auf dem Wasser wandeln. Für Christo und Jeanne-Claudes The Floating Piers werden 70.000 Quadratmeter glitzernder gelber Stoff über ein modulares Schwimmdocksystem aus 220.000 hochverdichteten Polyethylenwürfeln gelegt, um vorübergehend einen drei Kilometer langen Steg über die Oberfläche des Iseosees zu bilden, der das Festland mit den Inseln Monte Isola und San Paolo verbindet. Die Stege werden 16 Meter breit und rund 40 Zentimeter hoch und an den Seiten abgeschrägt sein. Besucher können das Kunstwerk besichtigen, wenn sie von Sulzano zum Monte Isola und hinüber nach San Paolo laufen. Von den umliegenden Bergen wird man das Projekt aus der Vogelperspektive betrachten und dabei auch ganz neue Blickwinkel entdecken können. The Floating Piers wird Christo und Jeanne-Claudes erstes Großprojekt sein, seit sie 2005 The Gates realisierten, und es wird an ihre lange Geschichte italienischer Projekte anknüpfen, darunter Wrapped Fountain und Wrapped Medieval Tower 1968 in Spoleto, Wrapped Monuments 1970 in Mailand und The Wall –Wrapped Roman …